Wie mein Kind ein Instrument lernt

– und wie es lange Freude daran hat

Für viele Eltern ist es wichtig, dass ihr Kind ein Instrument lernt. Abgesehen von diversen positiven Auswirkungen auf Intelligenz und soziales Lernen, ist es eben auch schön ein Instrument zu beherrschen. Es erweitert die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten und erschließt eine weitere wunderbare Welt.
Gleichzeitig sind da für die Eltern diverse Vorbelastungen zu klären. Es ist Zeit- und Geldaufwand. Das Instrument muss beschafft werden, der Musikunterricht bezahlt. Das Kind oder eventuell sogar die Kinder müssen zu ihrem Termin gebracht werden und außerdem entsprechend beim Üben zu Hause begleitet werden. Vielleicht hat man auch noch selbst schlechte Erinnerungen aus der eigenen Kindheit, an dröge Unterrichtsstunden, quälendes Üben und ermahnende Eltern. Will man das für mein Kind auch? Nicht so richtig. Die Chance aber sich ein Instrument anzueignen und damit ein tieferes Verständnis und Freude am Musizieren zu entdecken, das wünsche ich meinem Kind von ganzem Herzen. Also wie fange ich das am besten an?

Wann beginnen

Wie für alles was mit Lernen zutun hat, gibt es auch für die musikalische Entwicklung bestimmte sensible Phasen. Man kann zwar in jedem Alter beginnen ein Instrument zu lernen, greift aber immer auf die in der entsprechenden Lebensphase erworbenen Grundlagen zurück. Musikalität wird etwa bis zum neunten Lebensjahr ausgeprägt. Weil das ein ziemlich schwammiger Begriff ist, den man unterschiedlich verstehen kann, hat der Musikforscher Edwin E. Gordon fand deshalb den Begriff der “Audition”.r beschreibt das innere Hören und Verstehen von Musik. Wer sich dafür näher interessiert kann gern bei der deutschen Gordon Gesellschaft (https://www.gordon-gesellschaft.de/edwin-gordons-music-learning-theory-eine-einfuehrung/) dazu lesen.


Außerdem ist die entsprechende körperliche Reife eines Kindes wichtig. Schließlich muss es das Instrument entspannt halten und bedienen können. Für Blechblasinstrumente muss die vordere Zahnreihe geschlossen sein, bei der Orgel muss man an die Pedale kommen, beim Kontrabass muss man die Saiten auch richtig hinunter drücken können, zum Beispiel. Natürlich ist auch die Geschicklichkeit der Finger wichtig, das sollte aber im digitalen Zeitalter kein Problem sein.

Es ist sinnvoll mit dem Instrument auch die Notenschrift zu lernen. Dadurch kann man sich Musik viel besser selbst aneignen.
Leider wird gerade in der klassischen Musik darauf oft zu viel Wert gelegt. Wenn man nur Stücke nach Noten spielt, ist das wie eine andere Sprache lesen, aber nicht sprechen können. (Anders herum wäre aber auch schade.)
Für das Lesen interessieren sich Kinder etwa ab fünf Jahren. Obwohl das, wenn man bei Remo Largo nachschlägt sehr unterschiedlich sein kann. Manche sind schon mit drei, manche dann mit neun Jahren so weit. Da gilt es hinzuschauen, um nicht gleich zu überfordern.

Gabriele Zimmermann weißt auf ihrem Blog auch darauf hin, dass ein zu früher Beginn mit Instrumentalunterricht problematisch sein kann:
https://musikdidaktik.net/2016/10/instrumentalunterricht-fuer-kinder-ab-2-jahren-sinnvoll-oder-nur-werbewirksam/.

Das richtige Instrument

http://www.mvnofels.com/witze.htm

In Musikschulen wird oft das sogenannte Instrumentenkarrussel angeboten. Hier werden den Kindern verschiedene Instrumente zum Ausprobieren angeboten. Das ist sicher eine nette Idee, wenn man noch gar keine Vorstellungen hat. Was klassische Musikschullehrer bei ihrer Elternberatung meist nicht im Blick haben, ist das kulturelle und soziale Umfeld der Familie. Nicht jeder hat Zugang zu Orchester- oder Kammermusik. Nicht jeder kann zu Hause entspannt üben. Eltern fragen für ihre Kinder oft nach Pop- oder Rockinstrumenten, weil das ihrem eigenen Musikgeschmack entspricht oder glauben fest ihr Kleinkind sei ein hochbegabter Schlagzeuger. Auch problematisch, so ist bestimmt schon mancher leidenschaftlicher Kniegeiger verloren gegangen. Wenn das Kind noch keinen konkreten Wunsch äußert, sollte man sich auf jeden Fall noch ein bißchen umschauen.

Lehrer und Eltern als Begleiter

Mit dem Instrument verhält es sich so ähnlich wie mit der Handschrift: Am Anfang ist alles schief und krumm. Dann wird der Schwung geübter, die Worte werden lesbar, das Geschriebene ebenmäßiger. Der Erwachsene unterstützt, bestärkt und korrigiert, wenn es nötig ist. Manche behalten ihre “Sauklaue”, manche schaffen es zur Kalligrafie. Alles eine Sache der Übung und des eigenen Willens.

Ich möchte noch einen weiteren Gedanken ins Spiel bringen, nämlich den der Eltern als Lehrer. Vor Erfindung der Musikschule, haben Kinder das Instrumentalspiel von ihren Eltern oder nahen Verwandten gelernt. Das scheint lange ganz gut funktioniert zu haben, Stichwort Mozart, Bach, etc..
Und auch, wenn man sich selbst nicht für Paganini hält, wäre es doch zumindest für den Anfangsunterricht einen Gedanken wert. Eltern haben gegenüber externen Lehren den Vorteil, dass sie ihre Kinder sehr gut kennen. Sie brauchen das Beziehungsband nicht erst zu knüpfen. Dazu zitiere ich mal kurz Goethe: “Überall lernt man nur von dem, den man liebt.” Die Chancen stehen gut die Leidenschaft für das eigene Instrument auch ans Kind weiterzugeben oder sogar mit Unterstützung eines Lehrbuchs oder einer Lernapp zusammen zu lernen. Meine Tochter und ich lernen gerade zusammen Blockflöte. Uns beiden macht es Spaß . Ich habe den Vorteil, dass ich ihr Lernen gut begleiten kann und mich selbst nicht langweile. Sie freut sich, dass sie Zeit alleine mit Mama hat. Außerdem spare ich Fahrzeit und Geld.

Die richtige Lehrerin finden

Wenn man es sich nun doch nicht zutraut sein Kind selbst zu unterrichten, dann sucht man sich eine gut ausgebildeteMusikerin, die gern Kinder unterrichtet. Eine bestimmte Methode ist nicht so entscheidend. Am wichtigsten ist, dass Lehrerin und Kind sich mögen. Instrumentalunterricht ist meistens und aus gutem Grund Einzelunterricht. Für eine gute Lernathmosphäre ist eine vertrauensvolle Beziehung entscheidend! Das Üben zu Hause muss trotzdem von den Eltern begleitet werden. Ein Kind wird kaum Fortschritte machen, wenn es sein Instrument nur einmal in der Woche für eine knappe Stunde anfasst. Außerdem ist der Unterricht dazu da neue Dinge kennenzulernen und das Gelernte zu überprüfen, nicht um zu üben. Selbstständig üben können Kinder aber erst, wenn sie wissen wie.

Die Lernumgebung – ein fester Übort und wohlwollende Hörer

In meinem Beitrag “Babys brauchen Musik”(https://www.queridamusik.de/babys-brauchen-musik/) habe ich schon darauf hingewiesen, dass die meisten professionellen Musiker, keine Musiker als Eltern hatten. Meist waren es musikliebende Laien. Gerade weil es besonders in der Klassik eine Weile dauert bis es sich, sagen wir mal, “schön” anhört, braucht es Unterstützung. Ein fester Platz in der Wohnung mit einem Notenständer, einem Platz für das Instrument, einem kleinen Teppich, vielleicht noch einem Hocker. Ein schöner Ort, der zum Spielen einlädt, ist eine gute Voraussetzung.
Außerdem hilft ein Übplan als Gedankenstütze. Wichtig ist gerade am Anfang nicht wie lange man übt, sondern dass man sich angewöhnt regelmäßig zu üben. Ein fester Zeitpunkt am Tag, zum Beispiel vor dem Abendbrot, ist wichtig. Zusätzliche Belohnungen finde ich nicht so sinnvoll. Allerdings sollte das Kind seine Musik auch regelmäßig vorführen dürfen, gern auch öffentlich, wenn es das möchte.”Applaus ist das Brot des Künstlers.”- freut und motiviert weiterzumachen.

Ein Musikinstrument ist ein Medium

Heute wird viel über Medienkompetenz diskutiert, gemeint sind damit vornehmlich die Digitalen Medien. Ich finde es sinnvoll sich bewusst zu machen, dass auch jedes Instrument ein Medium ist. Ein Instrument richtig zu lernen ist viel umfassender als Musik nur zu hören. Das Verständnis und die Möglichkeiten sind viel größer.
Ein Kind begreift, dass es Medien nicht nur konsumiert, sondern sie nutzen kann um sich selbst auszudrücken. Es kann Möglichkeiten ausloten, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten, etwas Eigenes schaffen. Wenn es dann bei Musical.ly nicht nur die Lippen bewegt, sondern eigene Song eingespielt, bearbeitet und bei YouTube hochlädt, hat’s wahrscheinlich geklappt mit der Medienkompetenz.

Zum Schluß

Hier noch etwas für alle Eltern, denen die reine Freude an der eigenen Musik tatsächlich zu wenig ist:

Es bleibt wie es ist.
Menschen brauchen Musik!

Jasmin

Hier schreibt Querida, ich bin Musikerin, Lehrerin und Mama von drei Kindern. In diesem Blog geht es um Musik und Lernen im Alltag mit Kindern. Denn ich bin überzeugt: Menschen brauchen Musik!

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