Lieder und Musikspiele mit Kleinkindern

5 Ideen aus der Elementaren Musikpädagogik für zu Hause

Eltern-Kind-Gruppen an Musikschulen sind beliebt. Die Inhalte für eine frühe musikalische Bildung kann man auch sehr gut zu Hause umsetzen. Im Folgenden sind Lieder und Musikspiele zusammengestellt, die Ideen zeigen wie man Kunstmusik mit kleinen Kindern erfahren und erleben kann. Es handelt sich also nicht um extra Kinderlieder oder Babylieder, sondern um Kunstwerke und Lieder aus dem “echten” Leben. Kinder brauchen eigentliche keine extra einfachen Lieder, sondern vielfältige Erfahrungen zum Lernen.

Gerade bei Kleinkindern sind die unterschiedlichen Sinne noch sehr mit einander verwoben. Will man den Hörsinn anregen, ist es also sehr sinnvoll auch etwas zum Fühlen und Anschauen mit anzubieten. Kinder erfassen ihre Umgebung ganzheitlich, man braucht Eindrücke auch nicht reduzieren oder vereinfachen. Vielmehr spielt die Ästhetik des Dargebotenen eine Rolle.

In meiner Studienzeit hatte ich einige Semester Elementare Musikpädagogik und bin dabei mit Timpano (Kassel 2016) in Berührung gekommen. Das ist ein Lehrwerk für Musiklehrer, die an der Musikschule Gruppenunterricht für Elementare Musikpädagogik anbieten. Die Unterrichtsideen für die Eltern-Kind-Gruppen lassen sich aber auch gut für zu Hause abwandeln. Die folgenden Beispiele sind aus dem oben genannten Lehrwerk entnommen und abgewandelt. Es macht mir als Erwachsene auch immer wieder Spaß in die verschiedenen Klangwelten einzutauchen und Neues kennenzulernen. Das macht für mich ohnehin den Reiz der Elementaren Musikpädagogik aus, sie öffnet den Geist.

“Goin´Home”

Wiegenmusik aus Antonín Dvořák Sinfonie Nr. 9, “Aus der Neuen Welt”, Largo zum Lauschen, Singen und Bewegen
(nach Camille Savage-Kroll)

Bunte Chiffontücher
Bunte Chiffontücher
Material: 
2 Chiffontücher (oder mittelgroße Halstücher)
Aufnahmen:  Sinfonie Nr. 9, 2. Satz (A. Dvořák)
Lied: "Goin´Home"

Lass die Musik spielen, nimm dir ein Tuch und biete deinem Kind das andere an. Beginne deinen Arm zur Musik zu bewegen. Male Bögen und Kreise in die Luft und streiche mit dem Tuch sanft über den Körper. Lass dein Kind dabei mit dem Tuch spielen, wiege es evtl. und streichle es. So wie ihr mögt. Beginne die Melodie mitzusummen.

Goin´home – Liedtext

Musikspiel:
Zeichne die Phrasen des Liedes mit der Fingerspitze auf den Rücken oder andere Körperteile deines Kindes. Höre dem Text zu und versuche ihn mitzulernen. Im Laufe des Tages kannst du bei kurzen Gelegenheiten den Text lernen und für dich singen, zum Beispiel beim Bügeln, Wäsche machen, Kochen, im Auto und so weiter.

Außerdem möglich:
Tanzen zum 1. Satz der Sinfonie, mit oder ohne Tuch, wild und frei durch den Raum.

Brise und Sturmgebraus

Laut, mittellaut, leise
(nach Michael Dartsch)

Im Alltag und in der Musik sammeln wir Erfahrungen mit Lautstärke und dynamischen Abstufungen. In unseren Bewegungen hängen Lautstärke und Krafteinsatz direkt zusammen. Wir versuchen jetzt verschiedene Intensitäten zu erfahren, zu erinnern und auf sie zu reagieren.

Rahmentrommel mit Rasseln
Rahmentrommel mit Rasseln
Material:
Trommeln oder Rasseln
Lied "Eine kleine Brise"
Aufnahme "Cazon la Moceniga in ecco"(Riccio)

Musikspiel:
Wir sitzen mit unserem Kind auf dem Boden und probieren zunächst gemeinsam aus wie man verschiedene Lautstärken spielen kann. Die Lautstärkegrade laut, mittellaut und leise werden gewechselt. Probiert so viel und so lange aus wie ihr möchtet. Wie kann man außerdem eine Dynamik erzeugen, lauter und leiser werden?

Dazu passend kann man auch ein Wetterspiel auf der Trommel leicht zu Hause umsetzen. Eine sehr schöne Beschreibung findest hier (Musikalische Früherziehung online).

Die körperliche Erfahrung von Dynamik wird durch das Schmuselied “Eine kleine Brise” weitergeführt und kann wie folgt gestaltet werden:

1. Zeile – auf die Haare pusten
Eine kleine Brise pustet durch mein Haar
2. Zeile – sanft schaukeln
Frühlingswind, Frühlingswind, bist du wieder da.
3. etwas stärker schaukeln
Sturmgebraus, Sturmgebraus, schüttelt die Läden an unserm Haus.

Waschtag

Klang und Stille, pulsfreie und pulsgebundene Klänge mit Kleidungsstoff und Plastikflaschen (nach Marianne Steffen-Wittek)

Wäschekorb mit Plastikflaschen
Wäschekorb mit Plastikflaschen
Material:
Waschkorb mit Wäschestücken
Plastikflaschen
Lied: Wasuma (oder ein eigenes Lied)
Aufnahme: "Tilliboyo"(Kronos Quartet)
Seifenblasen

Wir sitzen oder knien gemeinsam neben unserem Wäschekorb und beginnen einzelne Wäschestücke herauszuziehen. Wir drehen und wenden sie ein bißchen, streifen sie aus, schütteln sie und hängen sie auf die Leine. Unsere Bewegungen begleiten wir mit der Stimme. Es entsteht eine freie Stimmimprovisation. Nur Mut, wir sind ja eh zu Hause und je mehr Klänge wir selbst ausprobieren, um so mehr ermutigt das auch unser Kind. Wenn ein schönes Lied einfällt, perfekt, Wäsche machen ist die ideale Gelegenheit zu singen und zu summen.

Liedvorschlag: Wasuma aus Surinam

Wenn wir mit der Wäsche fertig sind, geben wir dem Kind eine leere Plastikflasche und probieren damit unterschiedliche Klänge aus. Wir summen unser Lied und beginnen den Grundschlag rhythmisch über den Rücken des Kindes zu wischen. Wie fühlt sich das an? Dann beginnen wir den Grundschlag zu variieren:

4 x auf die Flasche tupfen
4 x Flaschenboden auf den Boden tupfen
4 x mit der flachen Hand auf die Flasche schlagen

Zu dem Plastikflaschen-Groove passt der Reim
“Wäsche waschen”(von Marianne Steffen-Wittek):

WÄSCHE WASCHEN, WÄSCHE WASCHEN,
IMMER WEITER HIN UND HER.
WÄSCHE WASCHEN, WÄSCHE WASCHEN,
IST DER WASCHKORB NOCH NICHT LEER?

PLITSCH, PLETSCH, PLATSCH,
WASSER SPRITZT HERAUS.
PLITSCH, PLETSCH, PLATSCH,
ALLES NASS, PASS AUF!

PLITSCH, PLETSCH, PLATSCH,
WASSER ÜBERALL.
PLITSCH, PLETSCH, PLATSCH:

Außerdem:
Seifenblasenfangen ist eines der Lieblingsspiele aller Kleinkinder, die ich kenne. Mit der Musik vom Kronos Quartet wird daraus eine wunderschöne Bewegungsimprovisation zu Musik.

Über die Brücke zum Garten

Raumorientierung, Stimme erkunden, Lieder singen, Instrumente erkunden (nach Marianne Steffen-Wittek)

Material:
selbstgebaute Brücke (aus Kissen, Decken, o.ä.)
Lieder: Pour passer le Rhône und Militza
Wind-Chimes oder Glockenspiel

Musikspiele
1. Spiele mit der Stimme: Wir sitzen auf unserer Brücke und schauen ins “Wasser”. Pantomimisch lassen wir mit den Händen verschiedene Dinge ins Wasser fallen und begleiten sie mit unserer Stimme:


o Ein Blatt fällt von der Brücke und schaukelt sanft (Glissando von hoch nach tief, die Hände bewegen sich sanft schaukelnd)
o Eine Feder schwebt hinunter (langsame Glissando ab- und aufwärts, gleitend/schwebende Armbewegungen)
o Ein Stein wird hinunter geworfen (schnelles Glissando, große bogenförmige Geste)
o Wasser rauscht (stimmlose Geräusche, wellenartige Handbewegungen)
o Pferd reitet über die Brücke (stimmloses Lippenflattern)
o Auto fährt über die Brücke (stimmhaftes Lippenflattern)

Tanz über die Brücke
Tanz über die Brücke

Tanz über die Brücke: Pour passer le Rhône
Nimm dein Kleinkind auf den Arme oder an die Hand und tanze zu der Musik.
A-Teil vorwärts, Wiederholung rückwärts
B-Teil in Drehbewegung über oder um die improvisierte Brücke

Lied: Militza (Apfelbaum)
dieses hübsche Volkslied aus Griechenland steht im 7/8tel-Takt. Um ein Gefühl für dieses ungewöhnliche Taktmaß bietet sich eine kleine Vorübung an:
Tupfe mit den Händen über die Arme oder den Rücken deines Kleinkindes und sprich dazu

AP-FEL-BAUM, AP-FEL, AP-FEL,…

immer wiederholen und dabei pro Silbe tupfen.
Das entspricht den Betonungen um Liedpuls.
Versuche dann den Takt mit Handen und Fingern auf deinen Oberschenkel zu spielen:

Wenn du sicher bist, sprich dazu den Liedtext. spiele die Melodie auf dem Glockenspiel oder einem anderen Instrument und singe dazu. Dein Kleinkind und du können in den Pausen ein Klangspiel improvisieren, bei dem “der Wind durch die Blätter bläst und die Blätter bewegt”.

Korbtanz der Pima

Mythen und Legenden

Musik und Erzählungen der Pima, Ureinwohner im US-Bundesstaat Arizona (nach Camille Savage-Kroll)

Material:
Rassel, Klapper, Rahmentrommel o.ä.
Glockenspiel
Tragebuch
Hörbeispiele: Basket Dance und Chuhwuht

Einstimmung:
Die Pima sind Ureinwohner des Bundesstaates Arizona, nördlich von Mexiko und östlich von Kalifornien in den USA. Sie wohnen hauptsächlich in den Flussgebieten in der Nähe von Phoenix und sind bekannt für ihre schönen Körbe aus Naturmaterialien und ihre roten Töpferwaren. Ein zentraler Punkt der Kultur der Pima sind Geschichten, die über Generationen mündlich weitergegeben werden. Eine dieser Geschichten ist die Grundlage für eine Instrumentalimprovisation und eine Gestaltung. Das dazugehörige Lied steht einer typisch indianischen Tonalität, ihm liegt eine pentatonische Moll-Tonleiter zugrunde. Das entspricht auch dem Aufbau traditionellen Flöten der Pima.

Das Lied der Welt

Am Anfang gab es nur Dunkelheit und Wasser.
Die Dunkelheit sammelte sich an besonderen Stellen und aus diesen Stellen kam der Schöpfer. Er wanderte ziellos über das Wasser und fing an zu überlegen. Langsam merkte er, wer er war und was er zu tun hatte. Er griff in sein Herz und nahm einen Zauber-Schöpferstab heraus.
Er benutze den Stab als eine Gehhilfe, und wenn etwas Harz aus der Spitze floss, machte er daraus Ameisen.
Er nahm mehr von dem Harz und rollte es mit seinen Füßen, während er sang:

Ich mache die Welt und sehe:
Die Welt ist fertig.
Ich mache die Welt und sehe:
Die Welt ist fertig.
Lass es los, lass es los,

lass es los, lass es anfangen!

Während er sang, wurde der Ball immer größer und größer, bis er die Größe der Welt erreicht hatte. Und so wurde die Welt gemacht. Dann nahm der Schöpfer einen riesigen Stein, brach ihn, und warf ihn in den Himmel, wo die Teile sich in Sterne verwandelten. Er schuf den Mond auf ähnliche Weise, aber weder Sterne noch Mond waren hell genug.
Der Schöpfer nahm zwei Schüsseln Wasser und konzentrierte sich in Gedanken an das Licht. Die Sonne erschien am Himmel, als er die zwei Schüsseln auseinandernahm. Aber sie bewegte sich nicht. Daher warf der Schöpfer die Sonne wie einen Ball nach Osten, aber sie prallte nach Westen zurück, wie sie es heute noch macht.

Mit Rasseln und Rahmtrommeln wird die Geschichte erneut erzählt und vertont. Diese Klangimprovisation dient jetzt als Vor- und Nachspiel zum Lied “Chuhwuht“. Wir Eltern können die Melodie außerdem zum Beispiel auf einem Glockenspiel begleitend mitspielen.

Lied der Welt (Pima)

Tanz:
Wir nehmen unser Kind auf den Arm oder an die Hand und bewegen unsere Füße im Puls der Musik.

Mögliche Bewegungen:
o in eine Richtung laufen, Hände dabei von einer Seite zur anderen bewegen, Richtungswechsel
o mit Anstellschritt im Kreis, Richtungswechsel
o mit Kreuzschritt im Kreis, Richtungswechsel
o in Schlangenlinien durch den Raum, rückwärts

Zum Schluss legen wir unser Kind in das ausgebreitete Tragebuch oder ein großes Handtuch zum Klang der indianischen Flötenmusik oder einem schönen Wiegenlied unserer Wahl.

Viel Spaß beim gemeinsamen Tanzen, Singen, Entdecken und Erleben.
Menschen brauchen Musik!

Babys brauchen Musik

Jasmin

Hier schreibt Querida, ich bin Musikerin, Lehrerin und Mama von drei Kindern. In diesem Blog geht es um Musik und Lernen im Alltag mit Kindern. Denn ich bin überzeugt: Menschen brauchen Musik!

(1) Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ja! Kinder lieben Musik! Wer mit einem Kleinkind zusammenlebt, kann das täglich beobachten!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.