Babys brauchen Musik

Mamas Stimme ist der erste Klang der Liebe

Schon im Mutterleib mit etwa 18 Wochen beginnt das Baby zu hören. Es nimmt den Blutstrom wahr, den Herzschlag, die dumpfen Geräusche im und um den Körper. Und es hört die Stimme seiner Mutter.

Wenn das Baby auf die Welt kommt, erwartet es Geborgenheit. Fühlst du mich? Riechst du mich? Hörst du mich? Zu Beginn des Lebens sind die Sinne noch stark miteinander verwoben. Wir begleiten unser Kind behutsam in Welt und geben ihm Orientierung mit unserer Stimme, unseren Berührungen und unserem Geruch.

Kulturübergreifend wenden sich Erwachsene mit einem hohen hellen Singsang an ihre Kleinsten. Man nennt es “Motherese” oder etwas abfällig vielleicht “Ammensprache”. Aber da ist nichts Albernes, es ist hörbare gemachte Liebe und Zuwendung: Ich spreche dich an wie du es brauchst und so wie du es von mir erwartest.

Dass die “Motherese” mehr dem Singen als dem Sprechen ähnelt ist inzwischen wissenschaftlich begründet. Denn evolutionäre hat sich das Singen vor dem Sprechen entwickelt, darauf lässt zum Beispiel die Größe und Form unseres Kehlkopfs schließen. Würden wir nur Sprechen, bräuchten wir einen solchen Tonumfang nicht. Es ist nachvollziehbar, dass wir das Singen entwickelt haben um unsere Gefühle zu vermitteln. Der Ausdruck eines Wortes bestimmt seine Bedeutung. Und wir nutzen unterschiedliche Tonlagen, um unterschiedliche Stimmungslagen auszudrücken.

“Gesang ist die eigentliche Muttersprache des Menschen”

Yehudi Menuhin

Wiegenlieder gibt es überall

Schon Babys können Gefühle und Stimmungen wahrnehmen. Meist sehr fein, nicht selten berichten Eltern, dass sie das Gefühl haben, das Baby würde ihre Empfindungen spiegeln noch bevor sie selbst merken, dass sie zum Beispiel nervös, unzufrieden oder unsicher sind.
Deshalb ist es auch in nahezu allen Kulturen der Welt üblich den Kleinsten zur Beruhigung vorzusingen. Auch die Art des Gesangs ist sehr ähnlich: Er ist relativ hoch, leise und langsam mit “wiegendem” Charakter. Im europäischen Kulturkreis findet man oft die fallende kleine Terz am Anfang. Das ist auch Soltan Kodály aufgefallen und hat fußend auf diesen ersten musikalischen Erfahrungen des Kindes sein Musikbildungsprogramm damit beginnen lassen. Die ersten nach Handzeichen zu singenden Tonsilben sind SOL und MI (kleine fallende Terz) . Von diesem Intervall aus wird das gesamte Tonsystem erschlossen. Er taufte die Methode “Solmisation”.

Bücher und Material

In der letzten Woche habe ich das Buch “Babys brauchen Musik“von Ulla Nedebock wieder aus dem Regal geholt. Ich habe es mir damals nach der Geburt unseres ersten Kindes gekauft und blättere nach wie vor sehr gern darin.

Die Kapitel sind so gegliedert, dass zum Einen Fingerreime und Lieder für Alltagssituationen mit dem Baby zu finden sind und zum Anderen Aspekte der Entwicklung von Babys erläutert werden. Es wird beschrieben wie man diese im Beisammensein mit seinem Kind fördern kann.

Sie stellt immer wieder heraus wie wichtig Musik für die Sprachentwicklung, das Körpergefühl und die Sozialkompetenz von Kindern ist und endet mit einem Appell: “Wenn Eltern demnach beständig dafür sorgen, dass ihr Kind Freude an der Musik hat und Freude am gemeinsamen Musizieren entwickelt, leisten sie damit einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Erziehung. Und das ganzheitlichen Erziehung. Und das ganz nebenbei, denn all die genannten Fähigkeiten werden ja über Jahre hinweg eingeübt.”(ebd. S. 152)

In meinem Beitrag Fingerspiele in verschiedenen Sprachen habe ich ein paar für den Wickeltisch gesammelt und beschrieben.

Zur Theorie des Musiklernens

E. Edwin Gordon hat in den USA bereits in den 1970er Jahren seine Forschungen zur Entwicklung von Musikalität veröffentlicht und zahlreiche Lernprogramm dazu entwickelt. Er stellt heraus, dass Menschen keineswegs einfach so ein musikalisches Talent haben, sondern dass jedes Kind mit einer musikalischen Begabung geboren wird. Idealer Weise entwickelt sich diese entsprechend den Anlagen, fehlen allerdings die richtigen Anreize, bilden sich die Verbindungen für das musikalische Verständnis nicht aus. Bis zum Alter von neun Jahren ist der Prozess allerdings abgeschlossen, alles was bis dahin verstanden wurde kann dann vertieft, geübt und verfeinert werden – oder eben nicht.

Wie fördere ich mein Kind im ersten Jahr

Wiegt eure Kinder, singt ihnen vor, macht Fingerspiele und Kniereiter mit Ihnen und habt selbst Spaß dabei. Musik macht Freude, das wissen schon die Allerkleinsten, und Musik macht intelligent, das ist wissenschaftlich belegt. Den Baby-Musikkurs kann man sich da eigentlich sparen, es sei denn Mama und Papa selbst wollen lieber dort als zu Hause musizieren. Die Babys brauchen das nicht unbedingt, sie brauchen uns und eine musikalisch reiche Umwelt.

Maria Montessori formulierte schon vor einem Jahrhundert, die vier Möglichkeiten des sinnlichen Erfahrens und Erfassen von Musik durch Ohr, Stimme, Auge und Hand. Der Mensch erfährt sich durch den Kontakt mit anderen Menschen (“Das Ich entsteht am Du”, Martin Buber). Je jünger der Mensch ist, um so direkter muss dieser Kontakt sein, um zu wirken. Eine CD, ein Tablet, Medien im Allgemeinen wirken erst, wenn vorher eine reale Grundlage geschaffen wurde, auf die das Kind zurückgreifen kann. Also, singt und spielt selbst und lasst euer Kind den Raum und die Zeit selbst zu singen und zu spielen. Nehmt ihm den Nuckel aus dem Mund, lasst es brabbeln, quietschen, rasseln und Dinge an einander klopfen. Lasst euch von Entdeckerfreude eurer Kinder anstecken.

Menschen brauchen Musik!

Jasmin

Hier schreibt Querida, ich bin Musikerin, Lehrerin und Mama von drei Kindern. In diesem Blog geht es um Musik und Lernen im Alltag mit Kindern. Denn ich bin überzeugt: Menschen brauchen Musik!

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